
Schon als Kind liebte ich Farben, Stoffe und Materialien. Während andere sich für eine Lieblingsfarbe entschieden, war meine ganz einfach: regenbogenfarben. Warum sich mit einer Farbe zufriedengeben, wenn man sie alle haben kann?
Als ich in einer alten Kiste diesen schillernden Stoff entdeckte, war für mich sofort klar: Der gehört zu mir. Wenig später zerlegte ich eine ausgediente Chicorée-Tasche, rettete ihre Träger und den Reissverschluss und nähte daraus meine eigene Tasche.
MEIN WEG WAR NIE GERADE
ABER IMMER KREATIV

Vielleicht begann damals schon etwas, das mich bis heute begleitet: Ich sehe in Materialien nicht nur das, was sie gerade sind, sondern auch das, was noch aus ihnen entstehen könnte.
In der Schule mochte ich besonders das Textile Werken bei meinem Gotti. Ich wollte ausprobieren, verstehen und meistens mehr lernen, als gerade verlangt wurde. Später entschied ich mich trotzdem gegen das Wahlfach. Nicht, weil mir die Kreativität fehlte, sondern weil die Schule damals kein Ort war, an dem ich mich wohlfühlte. Meine Ideen fanden andere Wege. Zum Beispiel beim Bauen und Gestalten in Die Sims, wo ich eigene Welten erschaffen konnte.

MEIN WEG ZUM STOFF
Nach einer abgebrochenen ersten Lehre begann meine Berufswahl nochmals von vorne. Für mich war zunächst klar: Ich will Schneiderin werden.
Eine Lehrerin brachte mich jedoch auf die Idee, meine soziale und meine kreative Seite miteinander zu verbinden. Deshalb schnupperte ich nicht nur in einer Schneiderei, sondern auch im Stoffladen (ehemalig Créasphère) in Amriswil.
Die Schnuppertage in der Schneiderei waren ernüchternd. Ich merkte schnell, dass dieser Ort nicht zu mir passte. Im Stoffladen war es ganz anders. Dort konnte ich Menschen beraten, mit Farben und Materialien arbeiten und gleichzeitig kreativ sein. Meine Freude war offenbar kaum zu übersehen, denn ich erhielt viele schöne Rückmeldungen.
Danach musste ich nicht mehr lange
überlegen. Ich bewarb mich und
begann im August 2014 meine
Lehre bei Créasphère.

SELBST GELERNT
IST AUCH GELERNT
Während meiner Lehrzeit brachte ich mir vieles selbst bei. Ich probierte aus, machte Fehler, begann nochmals von vorne und fragte Menschen, die etwas konnten, das ich noch lernen wollte.
Unterstützt wurde ich dabei von meiner Oma, meinem Gotti und meiner Tante Mägi. Von ihnen bekam ich nicht nur Wissen und praktische Tipps, sondern auch etwas mindestens ebenso Wertvolles: Vertrauen in meine Fähigkeiten.
Manchmal nahm ich mir sogar bewusst eine Ferienwoche, um etwas Neues zu lernen. Bei meiner Oma übte ich verschiedene Strickmuster und Techniken. Mir war wichtig, meine Kundinnen und Kunden nicht einfach irgendwie zu beraten, sondern wirklich zu verstehen, wovon ich sprach.
Besonders schön war der Moment, als sich die Rollen irgendwann umkehrten und ich meiner Oma etwas zeigen konnte, das sie selbst noch nicht kannte.
Heute nähe ich auf zwei Nähmaschinen, die von ihr stammen. Damit trage ich nicht nur ihre Maschinen weiter, sondern auch ein Stück ihres Wissens, ihrer Geduld und unserer gemeinsamen Geschichte.
KEIN GERADER WEG. TROTZDEM MEINER.
Nach einigen gesundheitlich schwierigen Jahren hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, Ausprobieren und Lernen. Diese Zeit war nicht schön und ich möchte sie auch nicht romantisieren. Aber sie hat mich gezwungen, meinen eigenen Rhythmus zu finden und genauer hinzusehen: Was kann ich? Was brauche ich? Und wie möchte ich arbeiten?

Syrrebella ist kein Nähatelier für schnelle Lösungen von der Stange. Ich schaue hin, denke mit und suche nach einer Lösung, die zum Kleidungsstück und zum Menschen passt. Ich möchte Vorhandenes erhalten, verändern und weitertragen, statt vorschnell aufzugeben oder wegzuwerfen.
Ich arbeite vielleicht nicht immer auf dem geradesten Weg. Dafür mit Herz, Ausdauer, einem wachen Blick für Möglichkeiten und ziemlich vielen eigenen Ideen.
Und genau daraus entsteht Syrrebella.
